„Die Kombination von Schneidstoff und Beschichtung entscheidet“

Das Wälzfräsen ist eines der Schlüsselverfahren bei der Zahnradfertigung. Über die Anforderungen an das optimale Verzahnwerkzeug und die Zukunft des Zahnrades im aufziehenden Zeitalter der Elektromobilität sprach die Performance-News- Redaktion mit Professor Bernhard Karpuschewski, dem geschäftsführenden Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Qualitätssicherung (IFQ) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Prof. Karpuschewski

Herr Professor Karpuschewski, worauf kommt es Anwendern bei der Verzahnung besonders an?

Entscheidend ist die Qualität. Das erkennen Sie schon im Alltag. Dass ein Fahrzeuggetriebe ausfällt, kommt allenfalls bei Extrembelastungen wie in der Formel 1 vor. Bei allen anderen Anwendungen – vom Fahrzeugbau bis hin zu Getrieben von Windkraftanlagen – wird ein Ausfall schlichtweg nicht akzeptiert. Gleichzeitig stehen die Hersteller unter einem enormen Kostendruck. Das Ziel ist also die optimale Kombination von Qualität und Produktivität.

Wie erreichen Anwender dieses Optimum?

Indem sie die modernsten Werkzeuge, Maschinen und Fertigungsverfahren einsetzen. Bei der Zahnradfertigung ist das das Wälzfräsen. Es ist das produktivste Verfahren und in der Fertigungskette schlicht nicht ersetzbar.

Welche Entwicklingslinien sehen Sie derzeit beim Wälzfräsen?

Die Entwicklung geht ganz klar zu maßgeschneiderten Beschichtungen in Kombination mit dem bestmöglichen Schneidstoff. Ein zweiter Trend ist die Trockenbearbeitung. Durch den Verzicht auf Kühlschmierstoffe berücksichtigen wir auch die ökologischen Aspekte bei der Fertigung.

Sie waren in die Entwicklung des SpeedCore-Schneidstoffes eingebunden. Welche Rolle hatten Sie im Projekt?

Wir arbeiten bereits seit Langem mit der LMT zusammen, unter ande-rem bei der Entwicklung der Nanosphere-Beschichtung. Dazu haben wir ein etabliertes Verfahren, den sogenannten Schlagzahnversuch, weiterentwickelt. Dieses Verfahren haben wir auch bei den Erprobun-gen des SpeedCore-Materials eingesetzt. Der Vorteil des Verfahrens ist, dass Sie anhand der Ergebnisse des Fräsens mit nur einem oder zwei Zähnen gesicherte Aussagen über die Leistungsfähigkeit des gesamten Wälzfräsers treffen können. Dadurch sparen Sie Zeit und Kosten.

Welches Potenzial sehen Sie für den neuen Schneidstoff?

Der Schneidstoff schlägt bei der Leistung eine Brücke zwischen konventionellem PM-HSS und Hartmetall, ist aber im Gebrauch so unempfindlich wie HSS. SpeedCore ist also einfach im Handling und ist deutlich kostengünstiger als konventionelle Wälzfräser aus Hartmetall. Das ist eine einzigartige Kombination mit sehr guten Erfolgsaussichten.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Welche Perspektiven hat das Zahnrad im Zeitalter der Elektromobilität?

Wir werden das Zahnrad noch sehr lange sehen. Es wird ganz sicher fester Bestandteil der Automobilität sein, auch bei alternativen Antriebskonzepten. Außerdem spielen Zahnräder eine entscheidende Rolle in der Windenergie. Und selbst in der Luftfahrtindustrie könnten Zahnräder und Turbinen ein Comeback feiern. Es gibt ernst zu nehmende Konzepte für Turbinen mit Planetengetrieben. Die Perspektiven sind also hervorragend.


Herr Prof. Karpuschewski, wir danken für das Gespräch!

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