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PERFORMANCESCHUB DURCH BESCHICHTUNGEN IM WERKZEUGBAU

Aus der Entwicklung von Präzisionswerkzeugen sind Beschichtungen nicht mehr wegzudenken. Wohin geht die Entwicklung? Wir haben Dr. Marcus Morstein, Leiter Forschung & Entwicklung des Schweizer Beschichtungsexperten PLATIT AG, nach seiner Einschätzung gefragt.

Wo liegen für Sie die besonderen Vorteile von Werkzeugbeschichtungen?

Der Fokus liegt eindeutig auf der Produktivitätssteigerung. Die mithilfe neuer Beschichtungen erreichbaren höheren Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, speziell in Hochlohnländern. Auch die höheren Standzeiten von beschichteten Werkzeugen sind ein positiver Effekt.

Welche Rolle spielen neue Werkstoffe, die in vielen Anwendungsbereichen verstärkt zum Einsatz kommen?

Sie sind in diesem Kontext sehr wichtig. Neue Werkstoffe sorgen beispielsweise im Automobilbau nicht nur für geringeres Gewicht, niedrigeren Treibstoffverbrauch oder erhöhte Crash-Resistenz. Sie sind auf der anderen Seite auch schwieriger zu bearbeiten. Das gleiche gilt für Werkstoffe auf Nickelbasis, die in der Luft- und Raumfahrt immer öfter zum Einsatz kommen. Neben einem in Sachen Substrat und Geometrie optimierten Werkzeug kommt der Beschichtung eine Schlüsselrolle zu, weil sie die Standzeiten der Werkzeuge massiv erhöht.

Welche Produktivitätsgewinne halten Sie für realistisch?

Eine neue Beschichtungsgeneration muss bei einem bestehenden Substrat zwischen 20 und 30 Prozent mehr Produktivität als die Vorgängergeneration leisten, da die Anwender oftmals nicht bereit sind, für geringere Steigerungen ihre Produktion umzustellen. In Kombination mit einem neuen Schneidstoff sind in seltenen Fällen bis zu 50 Prozent möglich – da würde man allerdings schon von einer Performance-Revolution sprechen.

Wie sehen Sie die Zukunft von Beschichtungen innerhalb der Werkzeugindustrie?

Werkzeughersteller werden voraussichtlich vermehrt dazu übergehen, die Beschichtungstechnologie inhouse zu integrieren, da sie so besser angepasste Beschichtungen entwickeln können. Diese sind am Markt ein Alleinstellungsmerkmal und oftmals leistungsfähiger als die erhältlichen Standardbeschichtungen. Um Eigenentwicklungen bei den Kunden zu ermöglichen, müssen die Anlagenhersteller ihre Plattformen aber auch öffnen – idealerweise im Sinne einer Open-Source-Strategie.

Welche Rolle spielt die Entwicklung der Werkzeuge?

Technologisch besteht die Herausforderung darin, mit neuen Generationen von Schneidstoffsubstraten umzugehen. Keramik zum Beispiel bietet inte-ressante Möglichkeiten jenseits von Hartmetall, ist aber teilweise nicht so leicht zu beschichten. Der Wettbewerb zwischen den verschiedenen PVD- und CVD-Beschichtungstechnologien wird in jedem Fall dafür sorgen, dass die Innovation bei Werkzeugbeschichtungen ganz sicher nicht stehen bleibt!

Herr Morstein, wir danken für das Gespräch!

Ansprechpartner

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Dr. Marcus Morstein, PLATIT AG

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